…”Jedesmal der gleiche Horror, ich kann nicht mehr!”…
…”Jetzt einfach stehn bleiben?”…
Paul Kuchel, 6ter Kilometer , ø 189 HF
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Frühstück zwischen Tür und Angel
Willkommen zum Tag meines 10km Wettkampfs beim SportScheck Stadtlaufs 2010. Mit dem Wetter hatte es uns Läufer, mit milden 12 Grad und bewölktem Himmel, super erwischt. Hätte es gestern die gleichen Temperaturen wie an den vorhergehenden Tagen gegeben, wäre das schon eine unheimliche Belastung für Körper und Geist gewesen. Mit einem selten so mulmigen Gefühl lief ich mit Christian die ca. 3 Kilometer von zu Hause aus, gleich als Warmup bis zum Event. Mulmig deshalb, weil ich noch nie so unvorbereitet war. Kein wochenlanges Training, keine mentale Stimmung zum Schaffen… nicht mal ausgeschlafen war ich. Nachdem ich noch bis für um 3 Uhr meinem Nebenjob im Dresdner Nachtleben nachging, hatte ich gerade mal fünf Stunden im Bett gelegen. Noch dazu hatte ich von Freitag noch meinen Brennr-Muskelkater von den 27 Mexiko-Kilometern in den Beinen. Alles andere als optimale Bedingungen, um die erste persönliche Bestzeit in einem 10K-Lauf aufzustellen. Auf meinen Toast zum Frühstück malte ich mit Honig meine gewünschte Zielzeit, in der Hoffnung ich würde sie dann besser verinnerlichen. Diese war von 45min nun schon auf 50 gesunken. Doch das ganze gejammer nützt ja nun alles nichts… denn wer das orange Shirt trägt, der MUSS laufen.
Nach dem Startschuss gab es das übliche Stop & Go Gedränge. Als wirklich sehr unerfreulich stellte sich die alternative Startstrecke im Vergleich zum vergangenem Jahr heraus. Wie wir letztes Jahr noch über den Theaterplatz gelaufen sind, so wurden wir diesmal auf der Ostra-Allee durch anfangs enge abgezäunte Passagen gezwängt. Wer also nicht ziemlich weit vorne gestartet ist, der hatte so wie ich massig Probleme schnell Plätze aufzuholen. Als sich die Massen auflockerten legte ich dann den Schnellgang ein und war lange Zeit am überholen. Nach ca. 5 Kilometern bekam ich dafür dann die Quittung. Die Beine wurden schwer und mein Kopf begann sich plötzlich Gründe für ein plötzliches Totalversagen zusammen zu legen. Auch die Sonne hatte sich inzwischen gezeigt und versuchte uns für einen kurzen Teil der Strecke die Hölle heiß zu machen. Jede Parkbank die ich sah, verwandelte sich für mich in eine rettende Insel zum pausieren. Doch da hörte ich plötzlich die Stimme Joey Kellys in mir…
“EINE NIEDERLAGE IM SPORT, IST AUFGEBEN OHNE GRUND!!!“
Warum jetzt aufhören? Einfach mal den inneren Schweinehund quälen. Klar tuts weh! Klar ist es anstregend! Aber jetzt muss man sich eben mal auf die Zähne beissen. Bei einem Blick auf die Uhr wurde mir plötzlich wieder bewusst, das ich vor 25 Minuten mal mit einer Zeilzeit diese Reise angetreten habe. Gas geben war jetzt gefragt, einfach noch eine Schippe drauf legen und hoffen, heil anzukommen. Schmerz ist eh nur Schwäche die den Körper verlässt!!!
Die darauf folgenden Kilometer waren gefüllt mit Temporausch und Glücksgefühlen. Wahrscheinlich bin ich immer noch recht langsam gelaufen, aber wenn man im Kopf einmal einen Schalter umgelegt hat, dann ist das erleben ein ganz anderes. Mit einem Puls von 205 rannte ich ins Ziel, dicht gefolgt von Christian. Ich hatte meine erhofften 50 Minuten mit 48:10 min erfolgreich unterboten. Angesichts der Tatsache das ich in dieser KM-Geschwindigkeit letztes Jahr einen HM geschafft habe war das vielleicht keine Applaus wert, aber überlebt habe ich es alle male.
Am Sonntag steht nun der heiß ersehnte SportScheck Stadtlauf an, zu dem wie jedes Jahr auch Kinderläufe angeboten werden. In einem 400m Bambinilauf und einem 2km Kinderlauf, können die Kids zeigen was in ihnen steckt. Das besondere an diesem Lauf ist jedoch, dass alle Teilnehmer unter 12 ohne Anmeldekosten ebenso wie die erwachsenen Läufer ein Adidas Funktionsshirt erhalten, das sie dann beim Lauf tragen. Das stellt für die Kleinen natürlich einen ganz besonderen Anreiz dar. Leider wurden meine fünf Anmeldungen, die ich gestern in meinem Kindergarten gesammelt habe, nicht mehr angenommen. Die Meldefrist läuft zwar noch bis zum 12.06.2010, jedoch wurden die Kinderläufe auf eine Teilnehmerzahl von 900 Minisportlern begrenzt.
So habe ich mir vorgenommen, das Projekt im nächsten Jahr früher anzugehen und mit den Kindern die Interesse zeigen, schon im Vorfeld zu trainieren. So entstand die Idee einer kleinen Laufgruppe in meiner Kita. Da am Mittwoch immer unser Sporttag ist, habe ich das sofort in die Tat umgesetzt und mit den Kindern zu Beginn eine kleine lockere Runde um unsere Kita gedreht. Die meisten waren total aufgedreht und sprangen schnell in ihre Sportkleidung. Am Ende hatte ich sieben Freiwillige für meine erste Kita Laufgruppe. Geplant war eine kurze Runde von ca. 600 Metern inklusive Dehnübungen. Die Stimmung war super, bis auf den ersten 10 Meter ein kleines Mädchen stürzte und sich beide Knie verletzte. Jedoch war das nichts, was ein groooßes Pflaster nicht wieder fixen könnte. Zu meiner Freude wollte sie trotzdem noch mitlaufen und so machten wir uns wieder auf den Weg. Die Jungs legten ein schnelles Tempo vor… es fehlten einfach noch die Erfahrungen, dass dann schneller Schicht im Schacht ist.
Die Dehnübungen fanden alle lustig. Schnell musste ich feststellen das alle um einiges beweglicher waren als ich. Da fühlt man sich echt wie ein alter Mann. In der Kita wieder angekommen versorgten wir uns sofort an unserem neuen Trinkwasserbrunnen. Beim nächsten Mal muss ich viele läuferische Spiele und Wettkämpfe einfügen und das am besten auf ebeneren Gelände wie dem großen Garten oder anliegenden Sportplätzen.
Nach dem ich in Gedanken alle Läufe für dieses Jahr gestrichen hatte, kann ich nun angesichts meiner doch recht guten Anpassung durch die Medis, doch etwas mutiger sein. Vier von sieben geplanten Läufen 2010 habe ich schon ausgelassen und der SportScheck Stadtlauf steht nun als nächstes auf meiner Liste. Dort werden wieder, neben den Kinderläufen und Volksläufen, ein 10er und ein Halbmarathon angeboten. Den HM schließe ich für mich erstmal kategorisch aus, also werde ich mich dem 10 Kilometer Wettkampf widmen. Der Blick auf den Kalender lies mich gerade aber richtig zusammen sacken. Noch 10 Tage Zeit und einen Trainingszustand von einer frittierten Schweinshaxe. Das ist eigentlich alles andere als sinnvoll… aber wann hat bei mir schonmal die Vernunft gesiegt?!
Der Wille und der Wahnisnn sind also an Bord, fehlt nur noch ein Ziel… eine Zielzeit um genau zu sein! Da ich vorher nie wirklich Interesse an Distanzen unter dem Halbmarathon gefunden hatte, gab es für mich keinen Richtwert an dem ich mich orientieren kann. Im meiner Erinnerung schwebt noch eine alter Bataillonslauf aus meiner Zeit beim Bund, bei dem ich wenn ich mich nicht täusche mit hängen und würgen 45 min gebraucht habe. Damals war ich jedoch trainiert und gesund. Heute sieht die Welt etwas anders aus. Heute früh beim Arztbesuch wurde nach einem erneuten 24 EKG die Dosis meiner Medis verdoppelt. Dennoch gab mir der Arzt das GO für den Stadtlauf am nächsten Sonntag. Gezielt trainieren brauch ich dafür jetzt jedoch nicht mehr. Ich wüsste zumindest keinen Trainingsplan, der mich in 10 Tagen auf 10km vorbereitet.
www.eppinator.de
Christian vom Sports & Chilli Blog werde ich dann auch auf der Strecke treffen. Für ihn ist es der erste 10er und allgemein sein längster Wettkampf bisher. Eigentlich ist er leidenschaftlicher Rennradfahrer, jedoch hat er sich auf der Suche nach einer ergänzenden Alternative für das Laufen entschieden. “Mal sehen wie ich durchkomme, jedoch ein Zielzeit von 50min wäre schon cool”, so der Dresdner Student. Ich drücke ihm auf jeden Fall die Daumen und freu mich schon tierisch auf den 13.06.2010, wenn wieder eine Orange Lawine über die Stadt rollt.
“Hallo Valencia” … so die Überschrift dieses Artikels. Hat doch meine Freundin mich alten Urlaubsmuffel echt mal außer Lande geschafft. Im sonnigen Spanien haben wir es uns kurze vier Tage gut gehen lassen. Eigentlich war in diesem Zeitraum ja das “Projekt No Limits” geplant. Um meiner Schmach zu entgehen, war die Flucht aus Deutschland wohl die einzige Lösung. Nicht in der Heimat zu sein, ist jedoch kein Grund um den Sport zu vernachlässigen. Mit Laufequipment im Gepäck, war ich immer bereit für ein kleines Ründchen. Hierfür bot die drittgrößte Stadt Spaniens eine wunderbare Sportzone. Mitten im Kern der Stadt liegt das sogenante Turia-Flussbett, in dem vor vielen hundert Jahren noch Wasser ins Mittelmeer floss. Heute ist es ein toller Sportpark, in dem es eine neun Kilometer lange Laufstrecke, einige Fussballplätze und viele Sportgeräte für ergänzende Übungen gibt. Dort unterwegs, fühlt man sich wie Zuhause im “Großen Garten” (Dresden). An jeder Ecke sind Sportler unterwegs, die freundlich grüßen und einem motivierend zurufen. Die Palmen und anderen exotische Pflanzen, ließen ein ganz besonderes Flair aufkommen. Viele Brunnen und vereinzelte Märkte lockerten das Ganze auf. Am Ende des Parks stehen faszinierende Bauwerke, in denen sich eine Oper und ein Museum befinden. Umringt von azurblauen Wasserbecken, boten Sie eine tolle Kulisse für die letzten Kilometer.
Einen Faktor, den ich wirklich unterschätzt hatte, waren die Temperaturen am Mittelmeer. Als wir am Anreisetag noch gediegene 23 Grad hatten, war ich am Sonntag zu meinem Läufchen bei 32 Grad unterwegs. Hochroter Kopf und ernormer Puls, waren da nicht zu vermeiden. Nach sieben Kilometern ging es wieder zurück ins Hotel zur entspannten Dusche. Gerne wäre ich mal am Sandstrand gelaufen, jedoch fehlte mir dafür dann doch die Zeit. Ein Fazit kann ich nach diesen vier Tagen ziehen. Die Bürger Valencias legen viel Wert auf Sport und Fitness. Ich habe Läufer einer Alterklasse gesehen, die in Deutschland schon mit Rollator unterwegs wären. Ebenso gibt es kaum übergewichtige Menschen… was auch daran liegen kann, das eine normale Tüte Gummibärchen rund 2 Euro kostet.
Auf anraten meines Sportarztes habe ich mir nun endlich ein Blutdruckmessgerät zur Selbstkontrolle gekauft. Ein günstiges Angebot hatte mich in die Hallen des Media Markts Dresden Centrum Galerie gelockt, doch sollten 9,99 € für ein medizinisches Messgerät wirklich genug sein? Da ich ein kleines kompaktes Gerät zur schnelle Messung benötigte, das ich ohne großen Aufwand überall mit hinnehmen kann, viel meine Wahl von vorn herein auf ein Handgelenkmanschette. Die zwei AAA Batterien, die zum Betrieb des Gerätes benötigt werden, lagen der Verpackung schon bei. So konnte ich schon auf dem Weg nach Hause meine ersten Werte bestimmten.
Oft habe ich gehört, dass die Messmethode am Oberarm um einiges genauer sei, als die am Handgelenk sein soll. Vorstellen kann ich mir aber nicht, dass die Unterschiede im Messergebnis zu weit auseinander klaffen. Eine Vergleich konnte ich bis jetzt nicht anstellen. Zur korrekten Messung muss man die Manschette ca. 1cm unterhalb des linken Handgelenkes anbringen. Dabei muss das Gelenk bei angewinkelter Elle auf Herzhöhe sein. Mit einem doppelten Druck auf den Powerknopf startet man die Messung, bei der man seinen Arm nicht bewegen oder sprechen darf. Der Schlauch in der Manschette pumpt sich auf und entlässt dann im Messzyklus langsam die Luft. Ist die Messung wegen einem extrem hohen oder zu tiefen Wert ungültig, erscheint ein Error-Symbol und man muss die Messung nach ca. 15 Minuten wiederholen. Beim nächsten Arztbesuch werde ich es mal mitnehmen und meine mit den Messungen des Sportarztes vergleichen.
Auf einem meiner Ausflügen in meine alte Heimat, habe ich diesmal ein kleines Schmankerl für euch gefunden. Im Ort Neuzelle, in dem letztes Wochenende das 9. Run and Bike stattgefunden hat, gibt es schon seit 1589 die Neuzeller Kloster Brauerei, die einst von Mönchen gegründet wurde. Als Kind war ich immer ganz wild nach der „Himmels Pforte“, einer sehr beliebten Himbeer-Kirsch Brause. Zwar gibt es die Marke nicht deutschlandweit, jedoch habe ich auch schon in Berliner Discountern, Flaschen der Getränkemarke gefunden. Richtig berühmt sind die Neuzeller durch den “Schwarzen Abt” geworden, eine Art Schwarzbier, das sich seinen Namen regelrecht erkämpfen musste. Nach dem deutschen Reinheitsgebot gehören in ein Bier nur Bestandteile wie Hopfen, Gerste, Malz und Wasser. Die Braumeister hier fügen aber noch eine sirupartige Substanz hinzu, die dem “Schwarzen Abt” eine sehr süße Note verleiht, was gerade bei den Damen sehr beliebt ist.
Auf einem Besuch im Klosterladen bin ich heute auf ein ganz besonderes Bier für uns Sportler gestossen. Bei dem “Marathon” Bier handelt es sich um ein Pils, das mit 250mg L-Carnitin angereichert ist. L-Carnitin ist eine körpereigene, natürliche Substanz, die in jeder Zelle des menschlichen Organismus vorkommt. Es ist für die Verbrennung von im Körper abgelagerten Fettpolstern zur Energiegewinnung bedeutend. Fehlt dem Körper L-Carnitin, ist die Fettverbrennung gestört und es kann zu überflüssigen Fettablagerungen, Müdigkeit und nachlassender Leistungsfähigkeit kommen. Ich habe gleich mal zwei Flaschen für meine Dresdner Laufkollegen mitgenommen.
Lange sitze ich nun schon vor meinem Notebook und versuche die passenden Worte für das gestern Erlebte zu finden. Es fällt mir nicht leicht so euphorisch wie sonst meine Leistungen zu beweihräuchern. Die Rede ist von meinem ersten Wettkampf 2010, bei der 2. Rewe Team Challenge Dresden. Hatte ich zu hohe Erwartungen?… War es zu schnell vorbei? Die Organisation des Events war zumindest ohne Zweifel tadellos. Von der Stimmung am Start und im Zielbereich, könnten sich so manche Volksläufe ein Beispiel nehmen. Als ich um 19:30 Uhr meine Teamkolleginnen vor dem Mc Donalds in der Innenstadt traf, war der Platz schon mit zahlreichen Sportlern gefüllt. Schon im letzten Jahr hatten sich so manche Teams sehr skurrile Kostümierungen einfallen lassen. Diesmal sah man dicke Sumo-Ringer, Laboranten von AMD in Reinraumoveralls, Bundeswehrsoldaten in Feldanzug und vieles vieles mehr. Wir hatten uns rote T-Shirts mit dem Logo unseres Arbeitgebers bedrucken lassen, so wie der Großteil aller Teams. Schon am Start viel uns auf, dass das wohl eine aktuelle Trendfarbe ist.
Fünf Minuten nach dem Zeitplan standen mehr als 3000 Läufer immer noch im Startbereich… scharrten mit den Füssen wie wilde Pferde. Auch mich überkam ein Anfall von Ungeduld. Doch da… der Startschuss… doch nichts rührte sich?!? Als Claudia mich am Anfang noch fragte, wie lange so etwas denn dauern könne, bis die Massen in Bewegung kommen, hatte ich nicht in Erinnerungen das es so viel Zeit in Anspruch nimmt. Gute drei Minuten standen wir auf dem Fleck bis die Meute langsam im Stop and Go in Richtung Startlinie zog. Da lobe ich mir die Netto- und Bruttozeit. Als wir alle dann in Bewegung waren, hatte ich plötzlich Flashbacks vom Sportscheck Stadtlauf im letzten Jahr… selbe Startstrecke… selbe Euphorie. Es hört sich vielleicht etwas komisch an, aber es ist ein wahnsinniges Gefühl mit so vielen Menschen zu laufen. Alle haben das gleiche Ziel, man läuft zusammen und möchte so schnell wie möglich das Ziel erreichen. Auch bei den Damen konnte ich den Glanz der Begeisterung in den Augen erkennen. Meine Chefin Frau Apel ist schon früher Halbmarathon gelaufen, doch ich denke bei Claudia und Stefanie ging in diesem Moment mental einfach die Post ab.
Mit einem Auge schielte ich immer kontrollierend auf meine Pulsuhr. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen sie gar nicht erst mitzunehmen, jedoch wollte ich ja die Kilometer für mein Polartagebuch nicht verschwenden. Es verlief zu Beginn alles sehr human, denn ich lag nur knapp über meiner Marke, die nach dem Startstress bestimmt auch wieder zu unterbieten war. Doch dann… dieses stechende Gefühl… na toll Paule. Die Flasche Wellneswasser war nicht die klügste Idee vor dem Lauf. Nun hatte ich die Wahl zwischen durchhalten oder kurz vom Wege abkommen. Da ich mir sicher war die Damen wieder einholen zu können, wählte ich den nächsten größeren Busch und drehte ab. Das ich beim Sprint zu meinem Team dann meinen Puls so richtig in die Höhe treiben würde, daran hatte ich natürlich nicht gedacht. Mit satten 190 Schlägen pro Minute heizte ich meinen Damen hinterher, die im weiteren Verlauf auch nicht mehr so wirklich abklingen wollten. Wäre mein Sportarzt vor Ort gewesen… der hätte mir die Hölle heiß gemacht.
Also trabte ich im roten Bereich zum Rudolf-Harbig-Stadion, das ein wirklich imposanter Zielbereich für einen Volkslauf ist. Im Nacken hatten wir auf den letzten Kilometern ein Haufen aufgedrehter Cheerleader, die uns mit lauten Sprüchen an die Materie gingen. Als sie uns auf den letzten Metern noch überholten, knallte bei Stefanie sichtbar ein Sicherung durch. Im Torbogen des Stadions legte sie den Turbo ein und schob uns förmlich an den Damen vorbei ins Ziel. So beendeten wir alle nach 33 Minuten unseren ersten gemeinsamen Firmenlauf in der tollen Atmosphäre des Stadions.
Ein ganz besonderer Dank geht an Frau Behnke, Frau Nietzold und Herrn Nagler die uns motivierten, verpflegten und die Fotodokumentation übernahmen. Ohne Unterstützung wäre der Abend nur halb so toll gewesen.
Nach langem Warten, langem Aussetzten, vielen stillen Tränen…. IST ES MORGEN ENDLICH WIEDER SOWEIT!!!! Morgen gehe ich mit drei Kolleginnen meiner Arbeitsstätte bei der 2. Rewe Team Challenge an den Start. Heute war ich als selbsternannter Teamcapitan, schon mal die Startunterlagen im Rudolf Harbig Stadion abholen. Jeder Läufer bekam einen roten Sack mit Startnummer, Lauftransponder und vielen Broschüren… soweit zur Standardausführung. Meine Chefin Beate Apel war unterdessen fleißig und hat für jeden von uns Läufern ein Shirt bedrucken lassen. Morgen dann also in Ferrari-Rot bewaffnet mit ebenso roten Outlaw gGmbh Regenschirmen in Richtung Sieg!!!
Mein innerer Ehrgeizgnom setzte mir ja schon wieder den Floh ins Ohr die fünf Kilometer durchzusprinten. Jedoch haben wir dann doch entschlossen, alle gemeinsam ins Ziel einzulaufen. Eigentlich ist es ja nur eine Spassveranstaltung, bei der es ja nicht wirklich um etwas geht. Auch ein Fanclub mit Transparenten hat sich schon angekündigt. Am meisten freu ich mich darauf die vielen Twitterer, die ich in den letzten Wochen kennengelernt habe, auch mal wieder Live zu sehen.
Motiviert von den ganzen Laufevents und Sportlern, die überall in der Umgebung aus den Büschen springen, hab ich mich nun auch endlich aufgerafft zum Kampf… ein Kampf gegen mich selbst!!! Vor ca. drei Wochen schrieb mir mein Sportarzt eine Limitierung von 130-135 Herzschlägen zum sporteln vor, doch das konnte ich beim besten Willen nicht durchsetzten. Schon nach wenigen hundert Meter durchbrach ich die Grenze und hatte somit längere Gehphasen als Laufphasen.
Die Verhandlungsgespräche hatten also begonnen… letztendlich habe ich mich auf 150 bpm hochgehandelt und mein Sportarzt nickte meine Sportgeilheit ab. Es konnte also wieder im “normalen” Tempo weitergehen. In der Praxis sind das trotzdem noch 3-4 Gehpausen auf 5 Kilometer. Gerade wenn ich am Limit laufe und dann plötzlich ein Berg, Gegenwind oder schöne Frauen kommen, dann kann ich meine Werte vergessen. Es ist ein anderes Laufen als früher. Der ständige Blick auf die Pulsanzeige, die Rentner die mit einem Lächeln an einem vorbeiziehen… egal, Hauptsache SPORT FREI!!!
Am Donnerstag steht ja ein tolles Event an, das bekannte Läufer schon als “mein Comeback” bezeichnet haben. Der Papa ist wieder im Land mit 9 min/k bei der Rewe Team Challenge 2010. Ich hoffe ihr wartet im Ziel dann auf mich, könnte spät werden.
Mit einer kleinen Verspätung gibt es hier nun die Auswertung des 9. Run and Bike Neuzelle 2010. Dieses Jahr konnte ich selbst leider nicht an den Start gehen, jedoch haben mich meine Freundin und andere Bekannte würdig vertreten. Wie im letzen Artikel von Tino Drabek schon erklärt, handelt es sich hierbei um einen “Duathlon” der besonderen Art. Ein Team aus zwei Sportlern überwindet eine Strecke von 42km oder 100km. Mit dabei der treue Drahtesel, der von einem der beiden Läufer immer zur aktiven Erholungspause genutzt werden kann. Dieser muss dabei aber immer hinter oder neben dem Läufer fahren, damit man nicht mit etwas Vorsprung zum Stillstand kommen kann. Der Wechsel, der dann nach eigenem Ermessen erfolgt, muss dann auch auf gleicher Höhe geschehen, was von Kampfrichtern auf der Strecke ständig kontrolliert wird. Dieses Jahr waren rund 600 Läufer, also 300 Teams, dabei in allen Kombinationen.
Das neue Team "No Limits"
Dieses System zieht nicht nur Profisportler von weit her in das wunderschöne Neuzelle, unweit von der Oder, sondern bringt jedes Jahr auch viele “Nicht-Sportler” dazu sich auf ein wildes Abenteuer einzulassen. Ich selbst stand 2008 zum ersten Mal in meinem Leben an einer Startlinie bei eben genau diesem Wettkampf. Die Erfahrung, die man hier sammelt, ist mit keinem Marathon oder Halben zu vergleichen. Auf der Website www.run-and-bike.com findet man noch mehr Informationen über die Entstehung der Eventidee und dem immer wieder reichlichen Rahmenprogramm um das Ereignis.
Ein besonderes Highlight für mich war, wie oben schon erwähnt, die Teilnahme meiner Freundin Christiane Krull mit ihrer ehemaligen Klassenkameradin Christina Stern. Als die beiden Mädels im letzten Jahr den Entschluss fasten, auch einmal die 42km von Neuzelle anzupacken, bin ich noch mit einem leichten Schmunzeln an die Sache herangegangen. Nach dem “extremen” Trainingsaufwand hat sich diese Einstellung bis zum Start auch nicht wirklich geändert. Was ich jedoch vom Strassenrand aus sah, ließ mich aus dem staunen nicht mehr herauskommen.
Die unerwarteten Dauerbrenner
Blog: Hallo Christiane, hallo Christina. Wie sahen den eure Vorbereitung auf das 9. Run and Bike 2010 aus.
Christiane/Christina: Unser Training ist leider etwas dürftig ausgefallen. Die Idee zur Teilnahme kam uns auch erst im Februar, bei einem dicken Stück Kuchen. Wir sind jedes Jahr begeisterte Zuschauer gewesen und wollten es nun einmal selbst versuchen. Aufgrund Christinas langanhaltenen Krankheit und meinem Prüfungsstress fehlte es letztendlich an ausreichender Vorbereitung. Wir wollten aber dennoch unbedingt an dem großen Event teilnehmen.
Blog: Was war das für ein Gefühl war das, mit so vielen Sportlern zusammen? Wurden eure Erwartungen bezüglich des Laufs erfüllt?
Christiane/Christina: Wir standen seid um 7 an dem Klosterteich in Neuzelle und fragten uns ehrlich gesagt, was wir hier wirklich wollen. Hatten wir uns das wirklich gut überlegt? Doch als wir dann gemeinsam am Start standen, war alles verflogen und wir wollten nur noch loslaufen. Noch einmal der Blick zum Nebenmann, die übrigens alle sehr sportlich aussahen, und dann kam der Startschuss. Mit einem Lächeln im Gesicht ranten wir los. Unsere Euphorie behielten wir während des Laufens bei, vor allem weil unsere Familie an vielen Ecken standen und uns mit Musik und Klatschen kräftig unterstützen. Unsere Erwartungen an alle Zuschauer wurden übererfüllt. In jedem Dorf hingen Plakate und jeder Läufer wurde bejubelt.
Blog: Werden wir euch im nächsten Jahr wieder zusammen beim Run an Bike sehen?
Christiane/Christina: Lass uns mal schauen, ob wir bis dahin wieder laufen können
Getränkeversorgung durch Helfer
Beide haben die Strecke in 4 Stunden und 35 Minuten geschafft und meine Ewartungen bei weitem übertroffen. Tino Drabek und Philipp Zacharias, der in diesem Jahr meinen Platz im Team “No Limits” eingenommen hat, konnten mit einer guten Zeit von 3:23 Stunden einlaufen. Dies war zwar 4 Minuten langsamer als im letzten Jahr, was meiner Meinung jedoch der extremen Witterung zuzuschreiben war. Von früh an regnete es im Oderland, was so manchem an die Konsistenz ging. Aufgegeben hat dennoch keiner und für alle war es ein ganz besonderer Tag.
Alle Fotos dieses Tages gibt es hier in der Fotogalerie in der Kategorie “Ich als Streckenfotograph” zu sehen. Originale kann ich gern per eMail versenden.
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